Das Vermächtnis von Cosimo Varvaglione: Masseria Pizzariello - ein spektakulärer Rotwein zum 100. Jubiläum des Betriebes

3. September 2022 News   Masseria, Primitivo, Cosimo, Pizzariello, Puglia, Varvaglione, Apulien

Es gibt Momente im Leben, die den Menschen packen und seine Seele im Innersten berühren, die unvergesslich bleiben. Selbst erfahrenste Fachleute aus der Welt des Weines erleben dies immer mal wieder beim Verkosten eines exzellenten Weins. Das sind dann Momente, da staunt man voller Begeisterung, weil man überrascht wurde, weil man mit so etwas nicht gerechnet hatte oder es schlicht für unmöglich hielt.

So erging es mir, als Cosimo Varvaglione zum 100. Geburtstag seines Betriebes mir einen besonderen Wein vorstellte. Er stellte das Glas vor mich ohne jeden Hinweis, nur mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Nun, uns verbindet weit mehr als nur eine geschäftliche Beziehung: Seit mehr als 20 Jahren ist er unser Winzer in Apulien, und wir haben uns beide gegenseitig sehr viel zu verdanken. Auf meine Aufforderung hin und dank meiner Überzeugung und Lösungsvorschläge entwickelte er die Serie Dodici Mezzo (Zwölfeinhalb). Da bis dato Primitivo mindestens 14% Alkohol (und oft noch deutlich mehr) aufwies, erklärte mich Mimmo für verrückt, nachdem ich von ihm einen Primitivo mit nur 12,5% Alkohol forderte. Er meinte das sei nicht machbar, aber ich erklärte ihm wie er das hinbekommen könnte, und er ließ sich auf einen Versuch ein. Es kam zu einer schier unvorstellbaren Erfolgsgeschichte, der Dodici Mezzo Primitivo ist nun sein (und unser) meist verkaufter Wein, und die anderen Rebsorten dieser Serie sind ebenfalls äußerst beliebt. Seither legt Mimmo (der Kosename für Cosimo) auf mein Urteil mehr Wert als das aller anderen Experten und Kritiker. Gespannt beobachtete er mich und wartete auf meine Reaktion.

Ich hatte nicht die geringste Idee, was sich in diesem Glas verbarg. Mir war aber schon klar, dass mit seinem verschmitzten Lächeln etwas Besonderes zu erwarten war. Und da ich wusste, dass in diesem Jahr der 100. Geburtstag des Familienbetriebes Varvaglione (vormals als Vigne&Vini benannt) anstand, hatte ich eine kleine Vorahnung. Und dennoch raubte es mir schier den Atem, als ich diesen Wein degustierte.

Das expressive Bukett zeigt ungemein viel Cassisfrucht mit feiner Minzefrische, es ist druckvoll und hochgradig vielschichtig, mit Tabak und Zedernholz, schwarzem Tee und Noten von Teer. Am Gaumen trifft eine vibrierende Säure auf kernige, reife und enorm saftig-fleischige Frucht, wieder viel Cassis, aber auch rote Johannisbeeren, Sauerkirschen, alles eingebunden in feinste Gerbstoffe. Ein finessenreiches Spiel dominiert das ultra-komplexe und sehr lange Finale.

Dieser unglaubliche Wein wurde speziell zum hundertsten Geburtstag kreiert. Mimmo wollte mit dem MASSERIA PIZZARIELLO genannten Wein zeigen, dass auch im heißen Süden Italiens Weltklasse-Weine erzeugt werden können. Das ist ihm mehr als gelungen! Obwohl er es gar nicht nötig hätte, denn mit seinem Primitivo der Serie Collezione Privata hatte er mit dem Jahrgang 2017 schon einen sensationellen Erfolg gefeiert: Luca Maroni, der derzeit einflussreichste Weinkritiker und Weinjournalist Italiens, kürte den 2017er Cosimo Varvaglione Primitivo zum besten italienischen Rotwein im Jahr 2021.

Aber dieser Masseria Pizzariello ist ein ganz anderes Kaliber. Meines Erachtens sind reinsortig aus der Sorte Primitivo schon wunderbare, exzellente Weine möglich, wie etwa der 2013er Primitivo 1921 von Varvaglione, aber Weltklasse-Weine habe ich zumindest noch keinen verkostet. Es fehlt immer das gewisse Extra, der letzte Kick. Deshalb ist der Masseria Pizzariello auch kein reinsortiger Primitivo, Mimmo hat ihn als Blend von Reben uralter Stöcke der Sorten Aglianico und Negroamaro komponiert. Diese beiden Sorten, die oft eine herausfordernde Tanninstruktur aufweisen, geben dem Primitivo genau diesen letzten Schliff, um ihn zu einem ganz großen Roten zu machen.

Der Eingang zur Masseria Pizzariello

Der Wein stammt von den ältesten Reben des kleinen Landguts namens Masseria Pizzariello. Das ist in erster Linie eine klassizistische Villa, die die Szenerie im Zentrum des Anwesens dominiert. Bei diversen Besuchen hatte ich dort schon mehrfach gespeist. Vor dem Anwesen gefällt die parkähnliche Einfahrt, die die Villa in Szene setzt, anstelle eines Gartens gibt es hinter der Villa einen alten Rebgarten. Die Trauben dieser alten Reben – besagte Primitivo, Aglianico und Negroamaro - wurden per Hand in der Nacht mit hoher Reife gelesen, teilweise waren die Beeren schon angetrocknet (was man als appassimento naturale bezeichnet). Mit strenger Selektion wurden nur die besten und gesundesten Beeren ausgewählt. So entstand nach der Reifung im Barrique ein kraftvoller, intensiver trockener Rotwein der Extra-Klasse.