Aus dem Leben eines Winzers (17): Was verdient ein Winzer? und: Hat er das verdient?

15. Juli 2022 News   Winzer, Saar, Peters

Unser Winzer Johannes Peters von der Saar stellt uns immer mal wieder Szenen aus dem Leben eines Winzers zur Verfügung. Meist berichtet er über seine Arbeit im Weinberg oder im Keller. Dieses Mal geht es um den Lebensunterhalt der deutschen Winzer.

 

Sehr geehrte Weinfreunde,
 
derzeit wird sehr viel über die Inflationsrate, die Preiserhöhungen, die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die damit einhergehenden höheren Lohn- und Gehaltsforderungen diskutiert. Wir nehmen diese aktuelle Situation zum Anlass, einmal nicht über Einblicke in unsere Arbeitswelt zu berichten, sondern über das Thema „Was verdient ein Winzer bzw. eine Winzerin?“
 
Grundlage für diesen Bericht sind die neuen aktuellen Zahlen dazu aus der Weinwirtschaft. Jährlich werden die Buchführungsdaten von über 400 Weinbaubetrieben aus Deutschland ausgewertet und bewertet. Die Betriebe kommen aus dem Bereich der Flaschenweinvermarkter, den Mitgliedsbetrieben der Genossenschaften und den Fassweinvermarktern. Die aktuellen Daten betreffen das Wirtschaftsjahr 2019/2020 und damit zum Teil noch die Zeit vor Corona. Im Weinbau ist ein Wirtschaftsjahr nicht identisch mit dem Kalenderjahr, sondern läuft vom 1.7.2019 bis 30.6.2020.


 
Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 lag der Gewinn der Weingüter im Schnitt bei 77.291 €. 2019/2020 sank der Gewinn um rund 14.400 € auf 62.879 €. Dies bedeutet einen Verlust von 19%. Im weinbaulichen Familienbetrieb dient der Gewinn zur Entlohnung der nicht entlohnten Familienarbeitskräfte und zur Verzinsung des Eigenkapitals. Wird für das Eigenkapital eine Verzinsung von 3% angesetzt bleiben zur Entlohnung der Familienarbeitskräfte 45.136 €. Bei durchschnittlich 1,7 nichtentlohnten Familienarbeitskräften (das entspricht der Arbeit von meiner Frau und mir) und einer Jahresarbeitsleistung von 2088 Stunden ergibt sich ein Bruttostundenlohn von 12,71 €, der im Jahr vorher noch bei 15,66 € lag. Die 2088 Jahresarbeitsstunden basieren auf dem Tarifvertrag für Arbeitnehmer. Wir als Selbstständige leisten deutlich mehr Stunden pro Jahr, womit die Stundenentlohnung deutlich geringer wird als die oben berechnete.
 
In diesen Berechnungen gibt es je nach Vermarktungsstruktur große Unterschiede. Die Flaschenweinvermarkter büßten deutlich weniger Gewinne ein als die Genossenschaftsbetriebe oder Fassweinvermarkter. Auch regional gibt es große Differenzen. Rheinpfalz und Rheinhessen hatten regelmäßig die Spitzenposition inne, aber im Wirtschaftsjahr 2019/2020 konnte sich die Mosel mit 74.106 € Gewinn pro Betrieb hinter der Pfalz mit 76.649 € auf Platz 2 vorschieben. Abgeschlagen liegen Franken mit 50.481 € und Württemberg mit 30.216 € Gewinn/Betrieb auf den hinteren Plätzen.