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Beaucastel - Bester Wein Frankreichs im Jahrgang 2024

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Beaucastel: Große Weine entstehen aus Überzeugung

Manche Verkostungen bleiben lange in Erinnerung. Die Begegnung mit Matthieu Perrin in Köln gehört für mich dazu. Im Rahmen seiner Deutschlandtour stellte uns das Mitglied der Besitzerfamilie die neuen Jahrgänge von Beaucastel vor: die Rotweine 2024 und die Weißweine 2025. Meine Erwartungen waren hoch. Schließlich hatte James Suckling den Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape 2024 gerade zu seinem „French Wine of the Year 2026“ gekürt. Eine Auszeichnung, die neugierig macht – gerade in einem so anspruchsvollen Jahrgang.

Matthieu Perrin und Frank Roeder MW sind vom neuen Jahrgang begeistert

2024 verlangte den Winzern viel ab. Wechselhaftes Wetter und hoher Krankheitsdruck erforderten unermüdliche Arbeit im Weinberg und größte Sorgfalt im Keller. Doch große Weine entstehen auch unter schwierigen Bedingungen. Beaucastel zeigt eindrucksvoll, wie viel Finesse, Frische und Balance ein solcher Jahrgang hervorbringen kann.

Der Mut, eigene Wege zu gehen

Wer verstehen möchte, warum Beaucastel heute so dasteht, muss auf Jacques Perrin zurückblicken. Der Großvater der heute mitwirkenden fünften Generation war ein Mann mit klaren Überzeugungen. Schon früh (1954) setzte er auf biologischen Weinbau; 1974 folgte der Schritt zur Biodynamie. Während vielerorts neue Pflanzenschutzmittel und höhere Erträge als Fortschritt galten, rückte er die Gesundheit der Böden und Reben in den Mittelpunkt.

Sein Gedanke leuchtet bis heute ein: Eine Rebe bleibt über Jahrzehnte an denselben Ort gebunden. Sie kann weder der Hitze noch der Trockenheit ausweichen. Deshalb liegt es in der Verantwortung des Winzers, ihr möglichst gute Lebensbedingungen zu schaffen. Lebendige Böden und ein intaktes Ökosystem bilden dafür die Grundlage.

Diese Haltung prägt die Arbeit der Familie bis heute. Wie Matthieu Perrin erläuterte, wird der Boden inzwischen besonders behutsam bearbeitet. Nur jede zweite Rebzeile wird oberflächlich von Hand gelockert. Das soll das Bodenleben schonen, die Verdunstung begrenzen und dem Regen den Weg in tiefere Schichten erleichtern.

Denn so eindrucksvoll die großen, gerundeten Kieselsteine an der Oberfläche auch aussehen: Ein wesentlicher Schatz von Beaucastel liegt darunter. Die lehm- und kalkgeprägten Schichten können Wasser speichern und den Reben in trockenen Phasen zugänglich machen. Gerade unter den Bedingungen des Klimawandels gewinnt diese Reserve an Bedeutung.

Ein Vermächtnis im Glas

Jacques Perrins Weitblick zeigt sich auch in der Wahl der Rebsorten. Besonders Mourvèdre lag ihm am Herzen. Die spät reifende Sorte verleiht den Rotweinen von Beaucastel bis heute Struktur, Würze und Tiefe. Ebenso unverwechselbar ist der hohe Stellenwert der Roussanne, die hier außergewöhnlich ausdrucksstarke Weißweine hervorbringt.

Zwei große Weine verkörpern dieses Erbe besonders eindrucksvoll: die Cuvée Hommage à Jacques Perrin, in der alte Mourvèdre-Reben den Ton angeben, und der weiße Roussanne Vieilles Vignes. Beide avancierten zu den besten Weinen des Anbaugebietes, , sie wurden zu Stil-Ikonen und stehen für eine Vorstellung von Größe, bei der Kraft und Konzentration stets mit Herkunft und Eigenständigkeit verbunden bleiben.

Ein Keller für kommende Generationen

Diesen Anspruch hat die Familie mit dem 2025 eröffneten Kellerneubau in die Zukunft getragen. Gemeinsam mit Studio Mumbai und Studio Méditerranée entstand eine Architektur, die sich konsequent am Ort und seinen natürlichen Ressourcen orientiert.

Ein großer Teil des Baumaterials stammt aus dem eigenen Untergrund: Lehm, Sand und Kiesel wurden aufbereitet und unter anderem für Stampflehmwände und einen vor Ort hergestellten Beton verwendet. So findet sich das Terroir von Beaucastel gewissermaßen auch in den Mauern wieder. Die erdigen Farben und natürlichen Oberflächen fügen den Bau selbstverständlich in die Landschaft ein.

Ebenso durchdacht ist das Klimakonzept. Tief liegende Regenwasserspeicher, die natürliche Kühle des Erdreichs und ein ausgeklügeltes Lüftungssystem wirken zusammen, um gleichmäßige Bedingungen im Keller zu schaffen und den Energiebedarf zu reduzieren. Nachhaltigkeit wird hier zu einer konkreten baulichen Lösung – mit Blick auf die Generationen, die einmal übernehmen werden.

Präzision, die begeistert

Wie groß der Einfluss des neuen Kellers auf die einzelnen Weine bereits ist, lässt sich aus einer Verkostung allein kaum beurteilen. Für mich ist jedoch deutlich: Die neuen Jahrgänge besitzen eine bemerkenswerte Präzision.

Schon die Aromen wirken klar und fein gezeichnet. Am Gaumen verbindet sich die für Beaucastel typische Substanz mit lebendiger Säure und einer Frische, die den Weinen Spannung und Leichtigkeit verleiht. Dazu kommt eine mineralische, mitunter fast salzig anmutende Note, die den Nachhall prägt. Nichts wirkt schwerfällig, alles greift ineinander.

Die roten 2024er und die weißen 2025er haben mich nachhaltig beeindruckt. Sie zeigen eine Familie, die ihre Überzeugungen bewahrt und zugleich mit großer Neugier weiterarbeitet. Genau darin liegt für mich die Stärke von Beaucastel.

Meine Empfehlung ist deshalb klar: Entdecken Sie diese Jahrgänge! Wer Weine mit Charakter, Finesse und Entwicklungspotenzial schätzt, findet hier viel Anlass zur Begeisterung – und gute Gründe, ihnen einen Platz im eigenen Keller einzuräumen. Zudem rechne ich mit weiteren Preissteigerungen, denn der Hype um diese Weine setzt gerade erst ein.

Hier folgen meine Verkostungsnotizen und Bewertungen:

2025 Coudoulet Blanc de Beaucastel:
Grenache Blanc, Clairette, Bourboulenc, Viognier. Attraktives Bukett von reifer Mirabelle, etwas Birne, nasser Stein. Am Gaumen saftig, würzig und sehr geschmeidig, mit reifer Säure, frisch, zeigt Tiefgang und ist voller Spannung, viel Spiel, top balanciert, salziges Finish. 93 Punkte

2025 Châteauneuf-du-Pape Blanc:
80% Roussanne, 15% Grenache Blanc, 5% die anderen 6 zugelsassenen Sorten. Im Bukett nich leicht verschlossen, öffnet sich mit Belüftung und steigender Temperatur. Dicht und stoffig am Gaumen mit reifer, saftiger Frucht von Mirabellen, Birne und Melone, intensive steinige Akzente. Zeigt enorm viel Energie und Spannung, enorme Tiefe, hoch komplexes salzig-mineralisches Finale, endlos lang. 95-96 Punkte

2025 Roussanne Vieilles Vignes:
100% Roussanne. Aufregendes, intensives Bukett von hellem Tabak. feinen Hölzerb, reife Mirabellen, viel Primärfrucht, super elegant mit erstaunlicher Tiefe, komplex mit steinigen Noten. Sehr intensive, saftige Frucht mit enorm viel Cremigkeit und Schmelz, auch enorm würzig, geradezu spicy, mit vibrierender Säure gesegnet, unglaubliche Tiefe und enorm viel Energie, salziges, enorm langes und mega komplexes Finale. 98-99 Punkte

2024 Coudoulet rouge:
Grenache und Cinsault im Holz uasgebaut, Syrah und Mourvèdre im Edelstahl. Intensives, dunkelbeeriges Bukett, mit Noten von Tabak und nassem Stein, mehrdimensional, komplex. Am Gaumen super saftige Frucht, dunkle Beern und dunkle Kirsche, dazu Würr- und Kräuternoten, sehr feinkörnige Tannine und exorbitant delikates Säurespiel, super frisch, saftig-salziges minerlaische Finish. 94 Punkte

2024 Châteauneuf-du-Pape:
Aus allen 13 zugelassenen Rebsorten, 30% Mourvèdre, 30% Grenache, 30% Counoise. Galaktisches, unglaublich intensives Bukett, schwarze Krachkirschen und dunkle Beeren, auch leicht animalsiche Noten, fleischig, Leder. Herrlich beerig und sftig-würzig am gaumen mit leicht sandigen, leicht aufrauenden Tanninen, reife Säure, klar und präzise, weißer Pfeffer, vibrierend, packend zeigt Spannung, enorme Tiefe, groß, erhaben, sehr sehr sehr lang! 98 Punkte

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